Zwei Freunde gründen zusammen ein Unternehmen. Nach drei Jahren sitzen sie bei mir in der Mediation. Lange vorher hatten sie schon erzählt, sie hätten eben eine „unterschiedliche Kommunikation“. Und „unterschiedliche Wege zum gleichen Ziel“.
Die kurze Antwort: Über Werte, Rollen und Streitkultur spricht es sich am leichtesten, solange es keinen Streit gibt. Dafür gibt es den Workshop für Gründungsteams Co-Founder-Fit, den ich zusammen mit der Psychologin Birgit Berndt anbiete: am 12. November 2026 von 10 bis 13 Uhr in Hamburg, 298 € pro Team.
Was hinter „unterschiedlicher Kommunikation“ steckt
Solche Sätze höre ich oft. Sie klingen harmlos, fast vernünftig. Wer würde bestreiten, dass zwei Menschen unterschiedlich kommunizieren? Meistens sind sie die freundliche Fassung von etwas, das noch keiner ausgesprochen hat. Man einigt sich auf eine Formel, und die Formel hält eine Weile. Bei den beiden hielt sie drei Jahre.
Was dann auf dem Tisch lag, gehört in die Mediation und nicht in diesen Text. Eins kann ich aber sagen: Das Problem war ohnehin schon da. Es hatte nur noch keinen Namen.
Meistens bin ich die letzte Option vor der Trennung. Das müsste nicht so sein. Bei Gründungsteams schon gar nicht, denn hier hängen an der Beziehung auch Anteile, Gehälter und oft eine Freundschaft.
Die wichtigsten Entscheidungen fallen in der Euphorie
Der Harvard-Professor Noam Wasserman hat für sein Buch The Founder’s Dilemmas Daten von rund 10.000 Gründer:innen ausgewertet. Ein Befund: 73 % der Gründungsteams teilen ihre Anteile schon im ersten Monat auf, die meisten davon fest und ohne Möglichkeit, später nachzusteuern. Zu einem Zeitpunkt also, an dem noch niemand weiß, wer welche Rolle übernehmen wird und wie viel Arbeit auf wen zukommt.
Das ist menschlich. Am Anfang will niemand die Stimmung mit der Frage verderben, was passiert, wenn eine:r von euch keine Lust mehr hat. Später ist dieselbe Frage teurer, weil dann schon etwas auf dem Spiel steht.
Freund:innen, Paare und Familie gründen mit doppeltem Risiko
Ein zweiter Befund von Wasserman passt zu meinen zwei Freunden: Gründungsteams aus Freund:innen und Familie sind in seinen Daten weniger stabil als Teams, die sich aus dem Beruf kennen. Gleichzeitig machen sie in seinen Daten über die Hälfte aller Teams aus. Sein Erklärungsansatz: Wer befreundet ist, vermeidet schwierige Gespräche, um die Beziehung nicht zu gefährden.
Das heißt nicht, dass ihr euch trennen sollt, bevor ihr angefangen habt. Es heißt, dass ihr die Rollen und Grenzen zwischen Freundschaft und Firma bewusst klären solltet. Wenn ihr befreundet, ein Paar oder verwandt seid, lohnt sich der Workshop besonders.
So läuft der Vormittag ab
Drei Stunden, in denen ihr als Team auf das schaut, was kein Businessplan abbildet. Ohne Alltagsdruck und ohne dass gerade etwas brennen muss:
- Ankommen und Kennenlernen. Ihr seid nicht das einzige Team im Raum.
- Warum ist mir mein Business ganz persönlich wichtig? Die Frage klingt einfach. Viele Teams haben sie sich nie gegenseitig gestellt.
- Was schätze ich an meiner Partner:in? Das sagt man sich im Alltag selten, und es trägt, wenn es später knirscht.
- Was brauche und erwarte ich von meiner Partner:in? Hier wird es konkret, damit es nicht bei Floskeln bleibt.
- Abschluss. Was ihr mitnehmt und wie ihr im Alltag weitermacht.
Ihr sprecht dabei im Wechsel mit eurer eigenen Partner:in und mit einer Gründer:in aus einem anderen Team. Das zweite klingt ungewohnt, hilft aber: Einer fremden Person erklärt man Dinge, die man der eigenen Partner:in längst nicht mehr erklärt, und hört sich dabei selbst neu zu.
Warum wir den Workshop zu zweit leiten
Birgit Berndt ist Diplom-Psychologin und arbeitet seit 2013 in ihrer eigenen Praxis in Hamburg als Coach für Sinn und Identität. Sie schaut auf jede:n Einzelne:n von euch: Wofür stehst du, was treibt dich an, warum machst du das hier eigentlich?
Ich komme aus der Klärungshilfe und schaue auf das, was zwischen euch passiert, wenn es reibt. Wann ein Gespräch kippt, was ungesagt bleibt und wie man es trotzdem ausspricht.
Wir ergänzen uns gut, weil das eine ohne das andere nicht weit kommt. Wer nicht weiß, wofür er selbst steht, kann im Streit nur verteidigen. Und wer es weiß, aber nicht sagen kann, landet bei der „unterschiedlichen Kommunikation“. Gemeinsam haben wir das Handwerk: Wir hören beide genau zu, bevor wir etwas sagen.
Drei Fragen, die ihr euch heute schon stellen könnt
Ihr müsst nicht kommen, um damit anzufangen:
- Wer entscheidet, wenn ihr euch nicht einig seid? Nicht im Gesellschaftsvertrag, sondern am Dienstagnachmittag, wenn eine Kundin wartet.
- Was passiert, wenn eine:r von euch aussteigen will? Wer diese Frage nicht stellen mag, weil sie nach Misstrauen klingt, hat schon eine Antwort auf die erste.
- Weiß deine Partner:in, warum dir das Unternehmen persönlich wichtig ist? Und weißt du es von ihr?
Wenn ihr bei einer der Fragen ins Stocken kommt, ist das kein schlechtes Zeichen. Es zeigt nur, wo ihr anfangen könnt.
Wenn es bei euch schon knirscht
Dann sagen wir das lieber vorher: Der Workshop gibt erste Impulse und Werkzeuge, er ersetzt keine Mediation. Wenn ihr gerade in einem ernsten Konflikt steckt, meldet euch vor der Anmeldung. Dann schauen wir gemeinsam, ob der Workshop passt oder ob eine Mediation für Geschäftsführung und Gesellschafter:innen der bessere Weg ist.
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Termin, Ort und Anmeldung
Donnerstag, 12. November 2026, 10 bis 13 Uhr in Birgits Praxis, Brehmweg 21 (2. OG), 22527 Hamburg. Die Teilnahme kostet 298 € pro Team, die Plätze sind begrenzt. Bis drei Tage vor dem Termin könnt ihr kostenfrei stornieren.
Der Workshop ist für Gründungsteams ab zwei Personen, in der Ideenphase ebenso wie mitten im Aufbau. Kommt am besten gemeinsam.
Häufige Fragen
Kann ich auch ohne meine:n Mitgründer:in kommen?
Der Workshop setzt auf Übungen zu zweit. Wenn deine Partner:in nicht dabei sein kann, frag uns direkt an. Wenn sich eine gerade Zahl von Einzelpersonen findet, machen wir es möglich.
Bei uns läuft es gut. Brauchen wir das überhaupt?
Ja, gerade dann. Über Werte, Rollen und Streitkultur spricht es sich am leichtesten, solange es keinen akuten Anlass gibt. Ihr investiert in euer Fundament, bevor es auf die Probe gestellt wird.
Wir sind mehr als zwei Gründer:innen. Sollen alle kommen?
Gedacht ist der Workshop für die Gründer:innen bzw. Gesellschafter:innen. Wenn ihr mehr als zwei seid, meldet euch bitte vorab, dann klären wir, wie es für euch passt.
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