Kennst Du das? Jemand redet, und Du siehst dem Gegenüber an, dass er längst an seinem Gegenargument baut. Er nickt sogar. Er hört nicht zu – er wartet, bis er dran ist.
In fast jeder Klärung, die ich begleite, kommt dieser Moment. Und ehrlich: Das machen wir alle, sobald es eng wird. Hinterher ärgert man sich. Ungeduldig geworden, unterbrochen, etwas gesagt, das man so nicht sagen wollte. Die gute Nachricht ist unspektakulär – empathisch zuhören kann man üben. Dafür gibt es jetzt das After Work Listening Lab im betahaus in der Schanze. Am 1. September läuft es zum ersten Mal.
Empathisch zuhören ist Handwerk
Frag zehn Leute, ob sie gut zuhören. Neun sagen ja. Das ist auch nicht gelogen – solange nichts auf dem Spiel steht. Interessant wird es, wenn Dir jemand etwas erzählt, das Du für falsch hältst. Oder etwas, in dem Du selbst vorkommst. Da entscheidet sich, ob Du zuhörst oder verteidigst.
In der Klärungshilfe arbeite ich genau an dieser Stelle. Eines meiner Werkzeuge heißt Doppeln: Ich setze mich neben eine Partei und frage sie, „Darf ich mal neben Sie kommen und etwas für Sie sagen?“ Dann spreche ich aus, was sie meint, aber nicht über die Lippen bringt – und frage: „Stimmt das so?“ Fast immer wird es danach ruhiger im Raum. Nicht weil ich klug wäre. Sondern weil einmal jemand gehört hat, was gemeint war.
So läuft der Abend ab
Kein Vortrag, kein Stuhlkreis-Klischee. Machen statt drüber reden. Zwei Stunden nach Feierabend, in denen Du in ungewöhnlichen Übungsformaten beides ausprobierst: wie es sich anfühlt, wenn Dir jemand wirklich empathisch zuhört – und wie schwer es umgekehrt ist. Der Rahmen sorgt dafür, dass immer klar ist, wer gerade dran ist. Klingt banal. Ist der halbe Trick.
Komm allein – oder bring jemanden mit, mit dem Du ohnehin viel zu besprechen hast: Mitgründer:in, Kolleg:in, Freund:in. Beides funktioniert, es wird nur unterschiedlich interessant.
Warum ich das anbiete
Meistens bin ich die letzte Option vor der Trennung. Wenn mein Telefon klingelt, liegt der Konflikt oft schon Monate zurück, und alle Beteiligten haben sich eingerichtet in ihren Erklärungen. Das müsste nicht so sein.
Wer früh merkt, wann ein Gespräch kippt, und ein paar Griffe parat hat, landet seltener bei mir im teuren Ernstfall. Das Lab ist der niedrigschwelligste Weg, den ich kenne, um das zu üben: zwei Stunden, ohne eigenen Konflikt, ohne Publikum aus dem eigenen Team.
Drei Stellen, an denen Zuhören kippt
Die kenne ich aus meiner Arbeit, nicht aus dem Lab – das steht ja noch aus. Du musst also nicht kommen, um etwas damit anzufangen:
- Die Pause ist unangenehm – und sie ist der ganze Punkt. Wenn Dein Gegenüber aufhört zu reden, sind zwei, drei Sekunden Stille für die meisten kaum auszuhalten. Genau in dieser Lücke kommt sonst der zweite, oft der wichtigere Satz.
- Ratschläge sind Zuhören-Ersatz. „Hast Du schon mal probiert …“ fühlt sich hilfreich an und beendet das Gespräch. Wer es zwei Stunden lang bewusst sein lässt, merkt, wie oft er es sonst tut.
- Nachfragen schlägt Zusammenfassen. Das gelernte Spiegeln („Du sagst also …“) klingt schnell nach Technik. „Was war daran das Schlimmste für Dich?“ bringt Dich näher an den Punkt – und daran, worum es wirklich geht.
Lesen lässt sich das. Können ist etwas anderes als wissen – deswegen üben wir es.
Termine, Ort und Anmeldung
Das Lab findet im betahaus | Schanze statt, Eifflerstraße 43, 22769 Hamburg, jeweils von 17:30 bis 19:30 Uhr. Die Teilnahme ist kostenfrei, die Plätze sind begrenzt – ohne Anmeldung geht es nicht.
- Dienstag, 1. September 2026 – Platz sichern
- Dienstag, 22. September 2026 – Platz sichern
- Dienstag, 13. Oktober 2026 – Platz sichern
Du brauchst keine Vorerfahrung und kein mitgebrachtes Thema. Alle Termine stehen auch in der Übersicht bei Eventbrite.
Wenn es bei Dir längst brennt
Dann ist das Lab das falsche Format, und das sage ich lieber vorher. Zwei Stunden Übung lösen keine verhärteten Fronten in einem Team – dafür braucht es einen Auftrag, einen geschützten Rahmen und deutlich mehr Zeit. Wenn bei Euch gerade Eiszeit herrscht, überspring den Dienstagabend und ruf an.
Für alles davor – für die Gespräche, die noch nicht eskaliert sind – sind zwei Stunden gut investiert.
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